Der Goldpreis hat bis Mai 2026 ein deutlich höheres Niveau erreicht als noch vor kurzer Zeit erwartet. Aktuell liegt Gold bei rund 4.736 US-Dollar je Feinunze bzw. rund 4.026 Euro je Feinunze; Reuters meldete zeitgleich einen Spotpreis von 4.735,32 US-Dollar. Damit ist die Frage nach dem Goldpreis im Jahr 2035 nicht mehr nur eine langfristige Rohstoffprognose, sondern eine Einschätzung, ob die laufende Neubewertung von Gold als Reserve-, Krisen- und Inflationsschutz bis in die 2030er-Jahre trägt.
In diesem Beitrag zeigen wir, welche Faktoren den Goldpreis aktuell beeinflussen, welche Prognosen Banken und Institutionen für 2026/2027 abgeben und welche Szenarien für 2030 bis 2035 realistisch diskutiert werden können.
Was beeinflusst den Goldpreis?
- Globale Krisen und Unsicherheit: Kriege, geopolitische Spannungen, Währungsrisiken und schwankende Energiepreise bleiben zentrale Treiber. Gold profitiert besonders dann, wenn Anleger Sicherheit suchen, der US-Dollar schwächer wird oder die Renditen von Staatsanleihen sinken. Reuters verweist aktuell auf einen schwächeren Dollar, niedrigere US-Renditen und anhaltende geopolitische Unsicherheit als kurzfristige Stützen des Goldpreises.
- Zentralbanken und institutionelle Nachfrage: Zentralbanken bleiben einer der wichtigsten strukturellen Faktoren. Der World Gold Council meldet für Q1 2026 Netto-Käufe der Zentralbanken von 244 Tonnen; außerdem stiegen goldgedeckte ETF-Bestände im ersten Quartal um 62 Tonnen. Das zeigt, dass Gold nicht nur von Privatanlegern, sondern weiterhin stark von offiziellen Reserven und institutionellem Kapital getragen wird.
- Zinsen, US-Dollar und Inflation: Gold wirft keine laufenden Zinsen ab. Deshalb wirkt ein Umfeld sinkender Realzinsen oder eines schwächeren US-Dollars tendenziell positiv. UBS nennt erhöhte Unsicherheit, geopolitische Spannungen und Portfolio-Diversifikation als Gründe für die höheren Preisziele; Goldman Sachs verweist zusätzlich auf ETF-Zuflüsse und weitere Zentralbankkäufe als tragende Faktoren.
- Geldsystem, BRICS und De-Dollarisierung: Eine offiziell beschlossene gemeinsame BRICS-Währung oder gar eine goldgedeckte BRICS-Währung gibt es weiterhin nicht. Reuters berichtete, dass Russland keine gemeinsame BRICS-Währung plant; gleichzeitig wird aber an alternativen Zahlungswegen, lokalen Währungen und möglichen Verknüpfungen digitaler Zentralbankwährungen gearbeitet. Für Gold ist dieser Punkt wichtig, weil jede dauerhafte Verschiebung weg vom US-Dollar die Rolle von Gold als neutraler Reservewert stärken könnte.
- Physische Nachfrage und Angebot: Hohe Preise belasten die Schmucknachfrage mengenmäßig, gleichzeitig bleibt die Ausgabebereitschaft für Goldschmuck erhöht. Der World Gold Council meldet für Q1 2026 einen Rückgang der Schmucknachfrage um 23 % nach Volumen, aber einen Anstieg der Ausgaben um 31 %. Das Gesamtangebot stieg nur moderat um 2 % auf 1.231 Tonnen, was zeigt: Ein höherer Goldpreis führt nicht automatisch sofort zu stark steigendem Angebot.
Schätzungen zum Goldpreis bis zum Jahr 2035
Die Prognosen für den Goldpreis bis 2035 fallen weiterhin sehr unterschiedlich aus. Kurz- und mittelfristig nennen Banken und Institutionen inzwischen Werte von rund 4.323 bis 6.300 US-Dollar je Feinunze für 2026, wobei hier Ziele, Jahresdurchschnitte und Szenariowerte gemischt werden müssen. Die Weltbank erwartet im Commodity Markets Outlook vom April 2026 einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.700 US-Dollar für 2026 und 4.300 US-Dollar für 2027. J.P. Morgan nennt dagegen ein Jahresendziel von 6.300 US-Dollar für 2026.
Für 2030 bis 2035 sind konkrete Punktprognosen der großen Banken seltener. Deshalb ist es sinnvoller, mit Szenarien zu arbeiten. Incrementum bestätigt im „In Gold We Trust“-Report ein Basisszenario von 4.800 US-Dollar bis Ende 2030 und hält in einem inflationären Szenario rund 8.900 US-Dollar für realistisch. Deutsche Bank diskutiert in einem konzeptionellen Reserven-Szenario sogar 8.000 US-Dollar innerhalb von fünf Jahren, betont aber, dass es sich dabei nicht um eine offizielle Punktprognose handelt.
Unser aktualisiertes Szenariomodell für 2035 ergibt deshalb keine enge Punktprognose, sondern eine Bandbreite: Im vorsichtigen Szenario liegen rund 5.450 US-Dollar je Feinunze nahe, im Basisszenario rund 8.000 US-Dollar, im hohen Szenario rund 11.300 US-Dollar. Extrem bullische Einzelmeinungen wie Robert Kiyosakis 30.000 US-Dollar bis 2035 bleiben deutlich außerhalb des Bankenkonsenses und sollten entsprechend als spekulative Meinung eingeordnet werden.
Kurz-/Mittelfrist 2026–2027
UBS sieht Gold im Jahr 2026 bei 6.200 US-Dollar für März, Juni und September und erwartet zum Jahresende eine leichte Moderation auf 5.900 US-Dollar. J.P. Morgan nennt für Ende 2026 6.300 US-Dollar, Wells Fargo ein Zielband von 6.100 bis 6.300 US-Dollar und Deutsche Bank 6.000 US-Dollar. Goldman Sachs liegt mit 5.400 US-Dollar zum Jahresende 2026 darunter, während die Weltbank für 2026 einen Durchschnitt von 4.700 US-Dollar und für 2027 4.300 US-Dollar erwartet.
Bank of America hält laut Kitco an einem 12-Monats-Ziel von 6.000 US-Dollar fest. HSBC sieht den Goldpreis in der Spitze in der ersten Jahreshälfte 2026 bei 5.000 US-Dollar und den Jahresdurchschnitt 2026 bei 4.600 US-Dollar. Macquarie nennt laut Reuters einen Durchschnittswert von 4.323 US-Dollar für 2026.
Langfrist-Szenarien 2030–2035
Für die langfristige Einordnung bleibt wichtig: Die meisten seriösen Banken veröffentlichen eher 2026- oder 2027-Prognosen als feste 2035-Punktwerte. Deshalb sollten Werte für 2035 als Szenarien verstanden werden. Der konservative Pfad setzt auf eine Beruhigung nach 2027, der Basispfad auf eine Fortsetzung der strukturellen Goldnachfrage und der hohe Pfad auf anhaltende Zentralbankkäufe, ETF-Zuflüsse, Währungsunsicherheit und eine stärkere Neubewertung von Gold als Reservewert.
Im aktualisierten Modell ergeben sich daraus folgende 2035-Werte: rund 5.450 US-Dollar im vorsichtigen Szenario, rund 8.000 US-Dollar im Basisszenario und rund 11.300 US-Dollar im hohen Szenario. Ein Wert von 30.000 US-Dollar bis 2035 bleibt eine extrem bullische Einzelmeinung und sollte nicht als Konsensprognose dargestellt werden.
Die Zahlen der Grafiken auf einen Blick
Banken- und Institutionen-Prognosen (2026)
| Institut / Quelle | Prognose 2026 (USD/Unze) | Anmerkung |
|---|---|---|
| J.P. Morgan | 6.300 | Jahresendziel 2026 |
| UBS | 6.200 | Ziel für März/Juni/September 2026; Jahresende: 5.900 $ |
| Wells Fargo Investment Institute | 6.100–6.300 | Zielband 2026; Grafikwert: 6.200 $ |
| Deutsche Bank | 6.000 | 2026-Prognose / Szenario |
| Bank of America | 6.000 | 12-Monats-Ziel laut Kitco-Bericht |
| Goldman Sachs | 5.400 | Ziel Ende 2026 |
| Weltbank | 4.700 | Jahresdurchschnitt 2026; 2027: 4.300 $ |
| HSBC | 4.600 | Jahresdurchschnitt 2026; Spitze H1 2026 bis 5.000 $ möglich |
| Macquarie | 4.323 | Jahresdurchschnitt 2026 |
Die Werte in Tabelle 1 beruhen auf aktuellen Prognosen und Berichten von UBS, J.P. Morgan, Wells Fargo, Deutsche Bank, Bank of America/Kitco, Goldman Sachs, Weltbank, HSBC und Macquarie/Reuters.
Langfrist‑Szenarien (2030–2035, USD/Unze)
| Quelle / Szenario | Jahr | Wert (USD/Unze) | Einordnung |
|---|---|---|---|
| J.P. Morgan – langfristige Annahme | langfristig | 4.500 | Langfristige Annahme, kein 2035-Punktwert |
| Incrementum – Basisszenario | 2030 | 4.800 | „In Gold We Trust“-Basismodell |
| Eigenes Szenariomodell – vorsichtig | 2035 | ~5.450 | Weltbank-2027-Anker 4.300 $; danach 3 % p. a. |
| Deutsche Bank – Reserven-Szenario | ~2031 | 8.000 | Konzeptionelles Szenario, keine offizielle Punktprognose |
| Eigenes Szenariomodell – Basis | 2035 | ~8.000 | Spot-Mai-2026-Anker; 6 % p. a. |
| Incrementum – Inflationsszenario | 2030 | 8.900 | Inflationärer Pfad im „In Gold We Trust“-Modell |
| Eigenes Szenariomodell – hoch | 2035 | ~11.300 | UBS-Ende-2026-Anker 5.900 $; danach 7,5 % p. a. |
| Robert Kiyosaki | 2035 | 30.000 | Extrem bullische Einzelmeinung, nicht Bankenkonsens |
Die langfristigen Werte in Tabelle 2 beruhen auf J.P. Morgan, Incrementum, einem Deutsche-Bank-Reserven-Szenario, dem eigenen Szenariomodell sowie der klar als Einzelmeinung ausgewiesenen Kiyosaki-These.
Klarstellung & Einordnung
Die aktuellen Mainstream-Prognosen konzentrieren sich überwiegend auf 2026 und 2027. Verlässliche 2035-Punktwerte sind selten, weshalb ein sauberer Artikel für 2035 mit Szenarien arbeiten sollte. Das Basisszenario von rund 8.000 US-Dollar je Feinunze bis 2035 ist aus heutiger Sicht plausibel, wenn Zentralbanken, ETFs und private Anleger Gold weiter als Reserve- und Absicherungswert nutzen. Das hohe Szenario von rund 11.300 US-Dollar setzt voraus, dass sich De-Dollarisierung, fiskalische Unsicherheit und reale Renditerisiken über Jahre fortsetzen.
Ein schwächerer Verlauf bleibt möglich, wenn geopolitische Risiken nachlassen, der US-Dollar wieder deutlich stärker wird, reale Renditen hoch bleiben oder Zentralbanken ihre Goldkäufe reduzieren. Deshalb sollte die 2035-Prognose nicht als Versprechen verstanden werden, sondern als strukturierte Bandbreite auf Basis der heute verfügbaren Daten. Diese Übersicht ist keine Anlageberatung.
Quellen (Auswahl)
Aktuelle Preisbasis: GOLD.DE und Reuters. Markt- und Nachfragedaten: World Gold Council Q1 2026. Offizielle Rohstoffprognose: Weltbank Commodity Markets Outlook April 2026. Banken- und Institutionenprognosen: UBS, J.P. Morgan, Wells Fargo, Deutsche Bank, Bank of America/Kitco, Goldman Sachs, HSBC, Macquarie/Reuters. Langfristige Szenarien: Incrementum „In Gold We Trust“, Deutsche-Bank-Reserven-Szenario und Kiyosaki-Einzelmeinung. BRICS-/Währungseinordnung: Reuters-Berichte zu gemeinsamer Währung, Zahlungsabwicklung und digitalen Zentralbankwährungen.

